Die Rhein-Neckar-Zeitung titelte nach dem Mannheimer Konzert: „Besser kann Xavier eigentlich kaum werden“ – und bezog sich damit auf den Titel seiner Tour und CD: „Alles kann besser werden“.
Mit dem ergreifenden Open-Air-Konzert auf der Berliner Waldbühne haben sich die Söhne Mannheims und Xavier Naidoo erfolgreich zurückgemeldet: Jeweils ein Konzert an aufeinander folgenden Tagen gaben die Söhne und Xavier solo auf ihrer IZ ON/Alles kann besser werden-Tour in den großen Hallen – mit einem doppelten Heimspiel in Mannheim: die Söhne immer noch rockiger als Xavier solo, während seine Live-Show noch geschliffener rüberkam.
Xaviers Album mit über dreißig neuen Songs auf drei CDs ist erwartungsgemäß auf Platz 1 der deutschen Charts gelandet. Das aktuelle Album der Söhne Mannheims „IZ ON“ wurde nur von den Michael-Jackson-CDs von der Pole Position ferngehalten. Der Mix aus Soul, Rock, Reggae-Elementen, Dance und auch Schmusesongs („Ich wollt nur deine Stimme hör’n“) funktioniert mit den wechselnden Lead-Sängern hervorragend. Bei den Arrangements ist man keine Risiken eingegangen, sondern beim vertrauten, aber einzigartigen Söhne/Xavier-Sound geblieben: Klänge und Loops aus wenigen Akkorden mit harmonischen Streichern eingespielt.
Auf den Live-Produktionen der Tour findet sich neben technischer Brillanz und musikalischem Feuer auch emotionale Tiefe, gepaart mit großer, für die Popwelt untypischer Nachdenklichkeit, Empfindsamkeit, kurzum: Spiritualität. Früher schrieb Xavier die Texte größtenteils allein, mittlerweile stammt auch einiges aus der Feder anderer Bandmitglieder, insbesondere der Sänger. Herausragend darin, die bewegenden Gesangszeilen von Henning Wehland in „Neues Deutschland“. Die Auferstehung des klassischen Anti-War-Protest-Songs à la Bob Dylan ist perfekt: Krieg, Folter, Kindesmissbrauch, Okkultismus, der 11. September – Xavier thematisiert unbeantwortete Fragen, Ungerechtigkeit, Falschheit in unserer Welt. Er hat wiederholt betont, er singe nicht nur für andere, sondern auch für sich selbst: „Ich muss mich selbst therapieren.“ Die klaren Botschaften der neuen Texte sind das Politischste, was die Söhne je heraus gebracht haben.
Die Söhne Mannheims haben eine Art U2-Rolle übernommen, Menschen durch Musik für den Herrn zu erreichen, die vielleicht sonst keiner erreichen würde. Allein das unbeschreibliche Erlebnis eines Live-Konzerts kann auf die Seele einen enorm ermutigenden Einfuss haben. Ein solches Konzert könnte manchmal wirkungsvoller sein als eine Sonntagspredigt. Ihrem Einfluss sind sich Xavier und die Söhne bewusst, und Idole, die zu Götzen werden, wollen sie nicht sein. Ein Grund, warum es keine T-Shirts mit ihren Gesichtern zu kaufen gibt.
Quelle:dran



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